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10 Quick Fixes für den Radverkehr in Rösrath

Nicht nur wir in Rösrath haben einen sehr dringenden Bedarf an moderner, sicherer und leistungsfähiger Fahrrad-Infrastruktur. Die Menschen möchten gerne mit dem Fahrrad unterwegs sein, zumal mit dem E-Bike insgesamt schneller, weiter und auch öfter gefahren wird. Damit steigen auch die Anforderungen an zeitgemäße Fahrradwege.

Jedoch ist diese Infrastruktur nicht unbedingt von heute auf morgen zu realisieren – zumindest bei uns in Deutschland nicht. Es bedarf ausgiebiger Planung, Prüfung und Genehmigungsverfahren. Dazu fehlt es an Personal und zuständig ist oft nicht mal die Stadt Rösrath, sondern der Landesbetrieb Straßen NRW.

Bis das alles durch ist, tut sich jahrelang erst einmal…nichts.

Dabei zeigt sich die Stadt Rösrath durch interessiert daran, die Verhältnisse für den Fuß- und Radverkehr zu verbessern.

Eine grundsätzliche Entschleunigung auf den Hauptstraßen (Tempo 30) täte uns allen sicher gut, liegt aber wie die geplante Radpendlerroute (RPR3) von und nach Köln in ziemlich weiter Ferne.

Immerhin ist abzusehen, dass in den nächsten 1-2 Jahren einige Einbahnstraßen für den Radverkehr freigegeben werden und auch die teils sehr lästigen “Drängelgitter” an verschiedenen Passagen im Stadtgebiet sollen weichen.

Nicht nur warten auf den großen Wurf

Vor diesem Hintergrund haben wir hier eine kleine Liste an kurzfristig und verhältnismäßig leicht umzusetzenden Maßnahmen zusammengestellt.

Zusammengenommen ließe sich mit diesen “Quick Fixes” schon eine ganze Menge für den emissionsfreien Nahverkehr bei uns tun.

Wenn ihr noch weitere Ideen habt, wie sich das Fahrradfahren in Rösrath ohne große Anstrengung schnell verbessern ließe: immer her damit. Schreibt uns gerne eine Mail an info (at) roesrath-velocity.de

Sülztalplatz, Rösrath

1. Aufstellflächen an allen Kreuzungen

Auf dem Sülztalplatz ist es teilweise schon ganz gut gelöst. Die sogenannten Aufstellflächen sind für Radfahrende ebenso hilfreich wie für Autofahrer. Sie schaffen Übersicht und Sicherheit lassen sich mit wenig Farbe schnell realisieren.

Aufstellflächen gehören an alle Kreuzungen in Hoffnungsthal, Forsbach und Rösrath!

Kreuzung in Downtown Rösrath

Natürlich kann ein bisschen Farbe auf der Fahrbahn keine Infrastruktur ersetzen. Wir alle (fast) wissen das. Und doch kann Farbe an gewissen kritischen Stellen dazu beitragen, die Aufmerksamkeit für schwächere Verkehrsteilnehmer zu erhöhen.

So würde die flächendeckende Markierung von Einmündungen und Kreuzungen auch ein deutliches optisches Signal für die Fahrradstadt Rösrath setzen.

2. Konsequente Wegweisung und Beschilderung

Klar wünschen wir uns neue Radwege. Doch zunächst wäre es schon mal ein großer Fortschritt, die bestehenden Wege konsequent und unmissverständlich auszuschildern.

Wie in vielen anderen Städten kommt leider auch das Radwegenetz in Rösrath eher als Flickenteppich daher. Teils wird der “Radweg” auf Fußwegen geführt, dann wieder auf der Straße, dann hört er ganz auf.

Im Sinne aller Verkehrsteilnehmer:innen braucht es eine klare und durchgängige Wegweisung. Mindestens auf den Hauptrouten zwischen den drei großen Stadtteilen.

Eine effektive Maßnahme, die sich mit wenig Aufwand umsetzen lässt.

3. Verlässliche Pflege der bestehenden Wege

Ähnlich zu Punkt 2 geht es auch hier nicht um den aufwendigen Neubau moderner Fahrradwege. Es würde schon mal reichen, die bestehenden Wege so zu pflegen wie die Straßen.

Fahrradwege gehören zuverlässig von überwuchernden Büschen befreit, im Herbst gekehrt und im Winter geräumt.

Benutzungspflichtiger Radweg zwischen Hoffnungsthal und Lehmbach (Januar 2023)

Dazu zählt natürlich auch die Berücksichtigung von Fußgängern und Radfahrer:innen bei der Absperrung von Baustellen. Viel zu oft fallen gerade die Radfahrenden durch das Raster und müssen ohne jeden Hinweis oder gar Schutz in den Autoverkehr einfädeln.

Das Fahrrad ist ein vollwertiges Verkehrsmittel und sollte entsprechende (und zuverlässige) Wertschätzung genießen.

4. Alternatives Radwegenetz

Die Infrastruktur entlang der beiden Rösrather Hauptverkehrsachsen ist nur mit einigem Aufwand zu verbessern. Entsprechend gilt es für Radfahrende, diese stark befahrenen Straßen möglichst zu meiden.

Das ist durchaus möglich, gibt es doch eine ganze Reihe an “Schleichwegen” oder autoarmen Nebenstraßen. Die Aufgabe besteht nun darin, diese Routen zu kommunizieren, auszuschildern und mit den bestehenden Radwegen in ein zusammenhängendes Wegenetz für Rösrath zusammenzuführen.

Auch die Umwidmung bestehender Straßen zu Fahrradstraßen wäre eine Möglichkeit, ohne größere Bautätigkeiten etwas für den Fahrradverkehr zu tun. Radfahrende könnten dann zumindest nebeneinander fahren, Autos wären hier zu Gast.

5. Ein Fahrradstadtplan für Rösrath

Rösrath ist eine weiter wachsende Stadt und (nicht nur) Neuankömmlinge sind mit den Fahrradwegen unserer Stadt nicht unbedingt vertraut. Ein expliziter Fahrradstadtplan wäre eine ebenso kostengünstige wie effektive Maßnahme, um den Nahverkehr zu fördern und gleichzeitig die Identifikation mit der Stadt Rösrath zu stärken.

Mit dem RöNetz in der Version 0.9 haben wir letztes Jahr die Beta-Version eines solchen Plans vorgelegt.

RöNetz 0.9 – Ausschnitt Rösrath Mitte

Die offizielle Karte der Stadt Rösrath könnte oder sollte zum Beispiel an allen Bahnhöfen und den Stationen des Bergischen E-Bikes aushängen sowie allen wichtigen Wegekreuzungen. Selbstverständlich ist dieser Plan auch in die überregionalen Fahrradnetze zu integrieren und digital verfügbar zu machen.

5. Tempo 30 auf allen Nebenstraßen

Es ist offensichtlich, dass Tempo 50 an vielen Stellen der mittlerweile stark verdichteten Stadt Rösrath nicht mehr angemessen ist. Leider gibt es die aktuelle StVO nicht her, dass Städte selbstständig entscheiden, an welchen Stellen sie den Autos welches Tempo vorschreiben wollen.

Rösrath ist eine von aktuell knapp 450 Kommunen der Initiative für Lebenswerte Städte und Gemeinden, die eine Modernisierung der StVO anstrebt und damit mehr Eigenverantwortung vor Ort.

Bis es so weit ist, kann die Stadt Rösrath das Tempo auf allen (relevanten) Nebenstraßen bereits jetzt drosseln. So ist zum Beispiel unverständlich, warum auf der Rotdornallee ziwschen Kreisel und Bahnunterführung Richtung Lüghausen noch kein Tempo 30 gilt.

Auch der Schutz vor Lärm bietet eine Möglichkeit zur Einrichtung von Tempo 30. Das gilt auch für Landesstraßen oder sogar Bundesstraßen, wie dieses Beispiel aus Bayern zeigt:

Tempo 30 auf der Bundesstraße 20

6. Abstellanlagen

Während zum Beispiel das Freiherr-vom-Stein Gymnasium über einen äußerst geräumigen Parkplatz verfügt, sind die Schüler:innen teilweise gezwungen, ihre Fahrräder an Bäumen anzuschließen. Das ist schon ein bisschen peinlich.

Naturnahe Abstellanlage am Schulzentrum in Rösrath

Nicht wenige Rösrather steigen am Ende ins Auto weil sie nicht wissen, wo sie ihr teures E-Bike in Rösrath gut anschließen können.

In den letzten Jahren hat sich (z. B. in Rösrath) ein bisschen was zum Besseren getan, aber an vielen Stellen sucht man immer noch vergeblich nach zuverlässigen Abstellanlagen. Auch das ist ein Punkt, in dem sich mit überschaubaren Mitteln spürbare Verbesserungen für die Radfahrenden erwirken lassen.

7. Überprüfung der Parkplätze in den Ortszentren

Längs parkende Autos sind eine Gefahr für alle und nehmen sehr viel Raum für sich in Anspruch.

Nicht zuletzt das eigentlich idyllische Hoffnungsthal steht mehr oder weniger zugeparkt. Wer sich von den potenziell gefährlichen Autotüren (Dooring) fern halten will, wird schon fast auf den Mittelstreifen gezwungen. Dabei stehen die Autos mit ihrer anderen Hälfte auf dem Gehweg.

Die Reduzierung von Parkplätzen in den Ortszentren würde allen Verkehrsteilnehmern mehr Beweglichkeit verschaffen undzusätzlich die Aufenthaltsqualität in den Ortskernen spürbar erhöhen. In allen Stadtteilen gibt es ausreichende Parkmöglichkeiten, von denen sich die Geschäfte und auch Ärzte gut fußläufig erreichen lassen.

8. Radwege von Hindernissen befreien

Eine gute Fahrradinfrastruktur zeigt sich auch im Detail. Fahrradwege müssen ohne große Hindernisse oder Barrieren zu befahren sein.

Ein (relativ leicht zu behebendes) Beispiel aus dem Rösrather Stadtgebiet sind die hier abgebildeten Bremsschwellen (Speedbumper) im Ahornweg. Diese auf der Mitte einzukürzen würde ihre Funktion nicht einschränken und den Radverkehr gleichermaßen vereinfachen.

Ahornweg, Rösrath-Stümpen

9. Mitgliedschaft in der AGFS

Unsere Nachbarn aus Lohmar sind Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW.

Und wir in Rösrath? Wie wäre es mit der “Stadt als Lebens- und Bewegungsraum”?

Die Mitgliedschaft in der AGFS erleichtert beispielsweise der Zugang zu Fördermitteln des Landes NRW. Zudem hätte die Stadt Rösrath über diesen Kanal verbesserten Zugang zu relevantem Know-How und Netzwerken.

10. Öffentlichkeitskampagne/ Kommunikation

Die Verkehrswende findet nicht nur auf der Straße statt, sondern zunächst in den Köpfen.

Mit sehr überschaubaren Mitteln kann die Stadt Rösrath auf ihrer Bürger:innen einwirken und sie dazu bewegen, das Auto für die kurzen Strecken vielleicht öfter mal in der Straße zu lassen.

Besonders gut funktioniert das immer mit Humor. So hat die Stadt Malmö beispielsweise eine Kampagne mit dem Slogan “Keine lächerlichen Autofahrten” ins Leben gerufen:

Keine lächerlichen Autofahrten

Die Kampagne hatte großen Erfolg und sorgte für eine Steigerung des Radverkehrsanteils von 20% auf 30%.

Auch in Rösrath sind viele Autofahrten unter 5 km, ein guter Teil sogar unter 2 km. Wenn sich das Bewusstsein dahingehend verändert, dass Rösrath als eine Stadt der kurzen Wege wahrgenommen wird, ist schon sehr viel gewonnen. Gerade mit dem E-Bike lassen sich eigentlich alle Ortsteile in kurzer Zeit erreichen.

Die Wirkung eines so kommunizierten, positiven und modernen Stadtbilds sollte auch überregional keinesfalls unterschätzt werden.

Rösrath hat die besten Voraussetzungen

Es steht außer Frage, dass Verkehrswege sorgfältig und nachhaltig konzipiert werden und sämtliche Verkehrsteilnehmer:innen berücksichtigen müssen. Schnellschüsse können auch schnell nach hinten losgehen.

Andererseits drängt die Zeit. “Fahrradsuperwege”, die erst 2035 fertig werden, sind keine ernstzunehmende Lösung. Und dabei sprechen wir nicht einmal über die exorbitant hohen CO2-Emissionen des Straßenverkehrs an. Es geht um die Situation hier bei uns vor Ort.

Rösrath wächst und wächst und wächst. Die Verkehrsinfrastruktur ist jedoch weitestgehend auf dem Stand von 1970, als gerade einmal 15.000 Menschen hier lebten. Für das Rösrath der Zukunft braucht es intelligentere (und platzsparendere) Lösungen als immer nur das Automobil, welches im Schnitt doch nur 1,2 Personen befördert.

Wir kommen um eine Verkehrswende einfach nicht herum und leben ja schon in einer Stadt der kurzen Wege.

Interessiert, aber besorgt

An jedem sonnigen Sonntag zeigt es sich aufs Neue, dass Rösrath sehr wohl eine Fahrradstadt ist. Oder allemal sein könnte.

Auch bei uns im Sülztal möchten viele Menschen gerne mit dem neuen Pedelec unterwegs sein; auch im Alltag. Was ihnen dazu fehlt ist eine Infrastruktur, die Sicherheit vermittelt statt Angst. An dieser Stelle sei einmal mehr an die berühmte Studie aus Portland erinnert.

60 % aller Befragten zeigten sich darin “interessiert am Fahrradfahren, aber besorgt”. Ganz ähnlich würden die Antworten wohl auch bei uns in Rösrath ausfallen.

Mit unseren hier vorgestellten Quick Fixes ließe sich die Situation für Radfahrende wie auch Fußgänger relativ unkompliziert und vor allem kurzfristig verbessern. Und mit dem gestiegenen Radverkehr ließen sich auch aufwendigere Infrastukturmaßnahmen leichter rechtfertigen.

Rösrath wird auch über das Jahr 2023 hinaus weiter wachsen. Wenn wir nicht endgültig im Blech ersticken wollen, braucht es auch hier bei uns eine Verkehrswende, die den Namen verdient. Was natürlich nicht heißt, dass das Automobil verboten werden soll. Davon hat überhaupt auch niemals jemand gesprochen.

Es geht auch nicht darum, dass jetzt alle jeden Meter mit dem Fahrrad zurücklegen. Es geht eigentlich nur darum, dass vielleicht nicht alle jeden Meter mit dem Auto fahren.

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